07.07.2015

Bargeld braucht nur Deine Oma und der Bankräuber

Uwe Heinemann

Uwe Heinemann

Ein Leben ohne Bargeld und Banken? Ein Traum, eine Vorstellung, die auch in Deutschland seit der Bankenkrise vielen Menschen reizvoll erscheint: Endlich auf die verzichten, die gierig aus Geld mehr Geld machen wollen. Für die Bürger in Griechenland ist dieser Traum seit letzter Woche der Albtraum. Die Banken dort haben nur befristet geöffnet, die Geldautomaten sind zum Teil leer und/ oder die Auszahlung ist limitiert. Vermutlich wird es in dieser Woche nicht besser.

Bargeld ist eben doch sehr wichtig! Bargeld ist gesetzliches Zahlungsmittel und "JEDER" muss es annehmen, akzeptieren! Scheck, EC-Card, Kreditkarte, selbst Einzugsermächtigung und Überweisungen sind "Bankengeld" oder nur in jedem Einzelfall ein Zahlungsversprechen. Aktuell in Griechenland sehen wir, was mit "Bankengeld" passiert. Es wird gestrichen, limitiert und ist - auch bei Guthabenkonten - im Zweifel nicht verfügbar!

Bargeld, aber auch Gold, sind seit mehr als 2000 Jahren auf der ganzen Welt anerkanntes Zahlungsmittel. Deutsche Bürger zahlen gerne bar. Das andere Extrem ist die USA. Dort zahlen die Bürger auch Kleinstbeträge mit Geld- oder Kreditkarte. Viele Ökonomen sprechen sich für eine Abschaffung des Bargelds aus. So der Wirtschaftsweise Peter Bofinger "Bei den heutigen technischen Möglichkeiten sind Münzen und Geldscheine ein Anachronismus" (Zitat aus "Der Spiegel"). Der NRW Finanzminister N. Walter-Borjans fordert gar ein Limit für das zahlen mit Bargeld. In vielen EU Ländern gibt es eine Obergrenze für Bargeschäfte; Italien > 1.000 €, Frankreich > 1.000 € (ab 9/2015), Belgien > 3.000 €, Spanien über +2.500 €, Griechenland über +1.500 € ist gewerblich illegal. In Schweden läuft eine Kampagne "Bargeld braucht nur Deine Oma und der Bankräuber" oder "Bargeld ist das Blut in den Adern der Kriminalität" Auch der Harvard Professor Ken Rogoff plädiert dafür, Bargeld als Zahlungsmittel allmählich auslaufen zu lassen.

Für diese Forderungen gibt es in der Tat gute Argumente: alle illegale Transaktionen, Bestechungen, Schwarzgeldgeschäfte, Steuerhinterziehungen, Bandenkriminalität, Raubüberfälle aller Art, Geldautomaten-Knacker, Schwarzarbeit, Drogenhandel, Hehlerei werden so unattraktiv und zurückgehen.

Ob die Abschaffung des Bargelds wirklich alles verhindert, ist zumindest zweifelhaft! Es könnte ein Chaos aus Parallelwährungen (Bitcoins?) und -bezahlsysteme entstehen (z. B. Auslands- und Naturalwährungen, Edelmetall usw.).

Viel schlimmer finde ich, dass "gewisse Kreise" plötzlich noch exakter wissen, wo Sie und wir wie viel für was ausgeben! Die überwiegende Mehrheit der rechtstreuen Bürger wird letztlich zum gläsernen Menschen.

Aber was soll's: Vielleicht ist die Schlacht schon längst verloren! Neben Smartphone, GPS, Kreditkartenzahlungen, Internethandel (Großvertriebe), Rabatt- und Kundenkarten im Einzelhandel und demnächst das "vernetzte Haus" erwecken den Eindruck, das ja die meisten Menschen das alles ohnehin schon hinnehmen.

Bei dem Thema "Bargeld" und die endlose "Griechenland Tragödie" träume ich auch heute noch von der Zuversicht (Zitat: Oscar Wilde): "Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut wird, ist es noch nicht das Ende."

Uwe Heinemann
Room-Reporter
www.room-reporter.de

Klaus Steinseifer 1

Wollen Sie mit mir sprechen, haben Sie Fragen an mich?
Schreiben Sie mir:
klaus.steinseifer@steinseifer.com
Ich freue mich auf hre Nachricht!